Preise und Kosten

Für den fairen Handel ist von Bedeutung, dass aus Sicht der benachteiligten Produzenten die positive Auswirkung größer ist, wenn Sie Ihren täglichen Bedarf aus fairem Handel decken als wenn Sie einmal im Jahr eine größere fairgehandelte Anschaffung machen. Deshalb sind es hier vor allem alltägliche Produkte, deren herkömmliche Kalkulation wir detaillierter vorstellen. Im Gegensatz dazu verbleibt bei fair gehandelten Waren natürlich ein unglaublich höherer Anteil des Gewinns beim Plantagenarbeiter oder bei der Näherin.


Wer verdient an einer Rose aus Kenia?

  • 1% (1 Cent) Arbeiterin
  • 99% Aufschlag Einzelhandel, Kosten Großhändler, Transport zum Großhändler, Kosten Importeur, Importpreis, Kommission, Flugkosten, Transport zum Flughafen, Verpackung, Abschreibung, Verdienst Produzent, Jungpflanzen, Pestizide / Dünger

Verkaufspreis 1 Euro

Wer an einer Rose aus Kenia verdient
Zahlen adaptiert aus: fair flowers – Mit Blumen für Menschenrechte, Vamos e.V.

Nur jede 5. in Deutschland gekaufte Blume ist hier gewachsen. Der Vamos e.V. in Münster hat in der Broschüre fair flowers – Mit Blumen für Menschenrechte umfassende Hintergrundinformationen zu diesem Thema zur Verfügung gestellt, um ein Bewusstsein für die Verflechtungen einer globalisierten Welt schaffen.


Ist Kaffee aus fairem Handel nicht teurer?

Ja und nein. Die Verbraucherzentrale zum Beispiel weist darauf hin, dass Kaffeemischungen auch lediglich 88% Kaffee (und dementsprechend 12% Zucker und Füllstoff) enthalten können. Das übersehen viele Käufer, wenn die Kennzeichnung falsch ist („100% Röstkaffee“ trotz Zuckeranteil) oder durch den Verkaufskarton verdeckt wird, oder wenn die Verpackung identisch zu normalem Kaffee aussieht. In diesem Fall zahlt der Verbraucher ohne es zu wissen „rund 13 Prozent mehr als für einen herkömmlichen Kaffee.“
Bei 13% mehr auf einen Preis von 3,99 Euro bezahlt man also in Wirklichkeit 4,51 Euro (ohne die zusätzlichen Zahnarztkosten).

Die GEPA dagegen rechnet in der Broschüre „Zeit für einen guten Kaffee“ auf Seite 14 vor, dass die Preisdifferenz umgerechnet auf die Tasse lediglich 1,5 Cent beträgt (und dafür die Welt ein wenig gerechter wird).

Der Deutsche Kaffeeverband meldet für Deutschland einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 6,4 kg in 2010, also etwas mehr als ein 500g-Päckchen pro Monat. Wenn ein Päckchen fairgehandelter Leipziger einen Euro mehr kosten sollte als Ihr Lieblingskaffee, sind das also ca. ein Euro pro Nase im Monat, zwei Euro Mehrpreis entsprächen zwei Euro im Monat, usw.
Wenn Sie in der oben erwähnten GEPA-Broschüre ein wenig weiter schmökern, werden Sie wissen, warum es das wert sein sollte.


Wer bekommt die 100,- Euro für meine Sportschuhe?

  • Herstellungskosten 12% (Produktionskosten 2% Fabrikgewinn 2% Material 7,6%)
  • Löhne 0,4% (40 Cent)
  • Transport & Steuern 5%
  • Markenfirma 33% (Profit 13,5% Forschung 11% Werbung 8,5%)
  • Mehrwertsteuer 20%
  • Einzelhandel ca. 30%

Verkaufspreis 100 Euro

Wer bekommt die 100,- Euro für meine Sportschuhe?
Quelle: Clean Clothes, kampagne für faire arbeitsbedingungen weltweit; gefördert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit; Dieses Poster wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft erstellt. Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Südwind Agentur wider und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.


Die Preise können eigentlich nicht wirklich hoch sein, wenn sogar Discounter fairgehandelten Saft anbieten, oder?

Die meisten Menschen können vermutlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel Geld sie im Monat für Fruchtsäfte ausgeben. Es ist wahrscheinlich gar nicht soviel. Für den Mehrpreis einer Packung mit fair gehandeltem Saft erhält man jedenfalls zusätzlich zur guten Tat die Geschichte der arbeitenden Menschen obendrauf. Probieren Sie über den Fairtrade Code (im Menü links) mal die Produktnummern 6364015 oder 1584003 als Beispiele für zwei Säfte, die Sie danach wahrscheinlich mit anderen Augen sehen werden.


Wer verdient wieviel beim Jeanskauf?

  • 1% (50 Cent) Arbeiterin
  • 50% Einzelhandel, Verwaltung und Mehrwertsteuer
  • 25% Markenname, Verwaltung und Werbung
  • 13% Material und Gewinn der Fabrik im Billiglohnland
  • 11% Transport, Steuern, Import

Verkaufspreis 50 Euro

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Wer verdient wieviel beim Jeanskauf?
Quelle: Südwind, Magazin für internationale Politik, Kultur und Entwicklung
Clean Clothes – kampagne für faire arbeitsbedingungen weltweit


Ein weiteres Beispiel aus dem Textilbereich: T-Shirts

  • Entlohnung der Näherin 20 Cent (1%)
  • Die restlichen 99% des Verkaufspreises werden für Einzelhandel, Steuern, Markenunternehmen, Transport, Fabrikation und Material aufgewendet.

Verkaufspreis 20 Euro

Verkaufspreis 20 Euro, Entlohnung der Näherin 20 Cent (1%)
Quelle: Clean Clothes Kampagne Österreich